Die Mönche — Wenn ein Team seine eigene Geschichte schreibt
Ein Sozialunternehmen in Nordrhein-Westfalen. Diakonische Tradition, 150 Jahre Geschichte. Ein Team, das gut funktionierte — bis eine Umstrukturierung die Rollen verschob und die Menschen mit der Frage zurückließ: Wer sind wir jetzt eigentlich?
Kein Konflikt. Kein Notfall. Aber ein Gefühl, das jeder kannte und niemand aussprach: Wir arbeiten nebeneinander, nicht mehr miteinander.
Die Leitung buchte zweieinhalb Tage. Einen halben Tag zum Ankommen. Zwei Tage zum Arbeiten. Kein Flipchart mit Maßnahmen. Kein Workshop mit Post-its. Etwas anderes.
Am ersten Tag: Bilder. Nicht Organigramme — echte Bilder. Jeder wählte ein Bild, das zeigt, wo er gerade steht. Nicht wo er hinwill. Wo er ist. Das klingt einfach. Es ist das Schwierigste, was du in einem Team tun kannst — ehrlich sagen: Hier stehe ich.
Am zweiten Tag: Die Bilder begannen zu sprechen. Die Menschen sprachen über das, was sie in den Bildern sahen — und hörten dabei, was die anderen sahen. Verschiedene Bilder, verschiedene Standpunkte, aber ein gemeinsamer Boden, der langsam sichtbar wurde.
Am dritten Tag passierte etwas, das nicht im Plan stand. Das Team schrieb eine Geschichte. Von selbst. Ohne Auftrag. Ohne Vorlage. Eine Geschichte über Mönche auf einer spirituellen Reise.
Die Mönche machen sich gemeinsam auf den Weg. Meditierend, achtsam. Zuerst führt der Weg in die Wüste. Dort, in der Hitze und der Stille, eine Erkenntnis: Die Wüste ist der Garten, aus dem alles Überflüssige entfernt wurde, damit der Mensch das Wesentliche erkennt.
Die Mönche gehen weiter. Kommen ans Wasser. Neue Kraft. Alle Strapazen lösen sich auf. Dann ein Berg, der sich als Vulkan entpuppt. Plötzlicher Ausbruch. Alles, was sie für sicher hielten, wird erschüttert. Falsche Annahmen werden zerstört. Mauern eingerissen. Neues erschaffen — wie ein roher Diamant.
Und am Ende: der Gipfel. Nicht weil sie ankommen. Sondern weil sie zurückblicken und sehen, was sie gemeinsam durchquert haben. Der Sinn offenbart sich nur in der Zusammenschau der einzelnen Stationen.
Kein Berater hat diese Geschichte geschrieben. Ein Team hat sie geschrieben — nach zweieinhalb Tagen, in denen die Struktur den Raum geschaffen hat, in dem so etwas entstehen kann.
Das Team ging nicht mit einem Maßnahmenkatalog nach Hause. Es ging mit einer Geschichte nach Hause. Seiner eigenen. Die konnte es weitererzählen. Die gehörte ihm. Die blieb.
Die Arbeit mit Bildern folgt dem Zürcher Ressourcen Modell. Der Körper weiß vor dem Kopf, wo er steht. In einem Team wird daraus etwas Mächtiges: Jeder sieht ein anderes Bild, aber alle stehen im selben Raum. Die Unterschiede werden nicht wegdiskutiert. Sie werden gehalten.
Die Mönche
Wenn ein Team seine eigene Geschichte schreibt.
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