Michael Jungen
1963 — 2025
Er hat das Möbiusband nicht gezeichnet.
Er hat es gedacht.
Michael Jungen war Organisationsberater in Karlsruhe und Heidelberg. Gründer von new&able. Experte für komplexe Veränderungsprozesse.
Aber das ist nicht warum er hier steht.
Er steht hier weil er 2015 auf einer Bühne vor Führungskräften und Vorständen etwas gesagt hat, das sieben Jahre später zum Fundament von HANERO wurde — ohne dass irgendjemand es geplant hatte.
Was er sagte
„Lebendiger Change — mehr Selbstregulation, weniger Management."
Nicht als Slogan. Als Überzeugung.
Und dann, vor einem Auditorium das Appelle gewohnt war:
„Appelle nutzen nichts. Das wissen wir seit Stalingrad."
Der Raum wurde still. Michael machte weiter.
Das war kein Trick. Das war präzise Semiotik — genau das was er theoretisch beschrieb: eine Intervention die auf drei Ebenen gleichzeitig wirkt. Syntaktisch. Semantisch. Semiotisch. Er konnte es erklären. Und er konnte es.
Was er wusste
Menschen wechseln dauernd zwischen Bewusstsein und Unbewusstem — wie eine Lemniskate. Eine Lemniskate ist die zweidimensionale Projektion eines Möbiusbandes. Ein Band ohne Anfang und Ende.
Als Heiko und Michael über das Logo sprachen das einmal HANERO werden würde — da war das Möbiusband nicht nur eine Form. Es war Michaels Theorie in drei Dimensionen.
„Dieses Dreieck ist ein ganz archaisches, altes, triadisches System — mit Blick auf die Funktionslogik lebendiger Systeme."
Er hat das 2015 gesagt. Das Dreieck ist heute auf jeder HANERO-Seite.
Was er hinterließ
„Wir müssen aufhören, Systeme fertig zu denken. Wir müssen sie als Lückentext denken — damit der Anreiz erhalten bleibt, selber tätig zu werden."
„Lebendige Systeme sind selbststabilisierend. Man muss das nur zulassen."
„Change-Fähigkeit erhöhen — weil Sie wissen ja nicht, was morgen kommt."
Das sind keine Zitate aus einem Buch. Das sind Sätze die er in Räume gesprochen hat in denen Menschen unter Druck saßen. Und sie haben gewirkt. Weil er es so meinte.
Wo er Ruhe fand
Michael hatte eine Freundin in Japan. In Zengärten fand er was er in deutschen Konferenzräumen nicht immer fand:
Stille.
Die Stille die er theoretisch beschrieb — die Pause in der der Such-Finde-Prozess beginnt — die kannte er auch persönlich.
Was bleibt
Michael ist am 1. April 2025 gestorben.
new&able läuft weiter in Heidelberg. Das Möbiusband läuft weiter auf hanero.ai. Und dieser Satz läuft weiter in jedem Gespräch das Heiko führt:
„Nicht das Change-Programm erzeugt Veränderung.
Der Mensch erzeugt Veränderung."
Heiko Römhild hat Michael Jungen in Heidelberg kennengelernt — in einer Zeit als vieles gleichzeitig nicht trug. Sie haben zusammen über Firmen nachgedacht. Über Kuhl. Über Schiepek. Über das was lebendige Systeme trägt. Und über ein Dreieck das keinen Anfang hat und kein Ende.
Das Dreieck trägt immer noch.
Quellen: Vortrag „Lebendiger Change" — Syncom Day 2015 · Video: newandable.com (19. Juli 2018) · Nachruf: newandable.com (1. April 2025)