Lao Tse
≈6. Jh. v.Chr.
Woher die Kraft kommt
Der Weg, der sich erzwingen lässt, ist nicht der Weg.
Wer Laozi ist
Ob Lao Tse eine Person war, ist offen — der Name heißt schlicht "der alte Meister". Was bleibt, sind rund achtzig kurze Kapitel: das Tao Te King. Sein Kernbegriff ist wu wei, das Nicht-Erzwingen. Nicht Passivität, sondern das Gegenteil von Kraftaufwand: die Wirkung, die entsteht, wenn man aufhört zu drücken.
Was das für dich bedeutet
Das Projekt läuft nicht. Du hast Druck erhöht, Termine gesetzt, Zwischenstände eingefordert. Es läuft immer noch nicht — es läuft nur angestrengter.
Lao Tse würde nicht fragen, wie du mehr Druck machst. Er würde fragen, wogegen du drückst.
Wasser bricht keinen Stein. Es umfließt ihn, jahrhundertelang, und am Ende ist der Stein rund.
Das ist keine Aufforderung, nichts zu tun. Es ist die Frage, ob deine Anstrengung in Richtung des Systems arbeitet oder dagegen. Wer gegen die eigene Organisation führt, verbraucht seine Kraft an ihr — und hält das für Führung.
Die Schattenseite
Wu wei ist die eleganteste Ausrede, die es gibt. Wer nicht entscheiden will, nennt es Gelassenheit; wer einem Konflikt ausweicht, nennt es Fließen. Der Unterschied zwischen Nicht-Erzwingen und Sich-Drücken ist von außen kaum zu sehen — von innen schon. HANERO-Antidot: Frag, ob du gerade wartest oder ausweichst.
Was Laozi HANERO gegeben hat
Die Unterscheidung zwischen Kraft und Wirkung. HANERO fragt vor jeder Intervention: Arbeitet sie mit dem System oder gegen es? Die meisten Führungskrisen unter Druck sind nicht zu wenig Anstrengung, sondern Anstrengung in die falsche Richtung.
Fäden im Teppich
Lao Tse → Milton Erickson
Utilisation statt Korrektur — mit dem arbeiten, was da ist, statt es zu bekämpfen.
Lao Tse → Günter Schiepek
Schiepek in der Sprache der Systemforschung: steuern kann man nicht, Bedingungen schaffen schon.
Lao Tse → Hermann Haken
Ordnung, die sich selbst herstellt, wenn man sie nicht erzwingt — Synergetik als späte Formel für wu wei.
Seine Werke
- Tao Te King (Daodejing) — ≈81 Kapitel